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Die Geschichte des Autorennbahnsystems Carrera 124

Die Firma Josef Neuhierl aus Fürth, seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts mit der Produktion von Blech- und Kunststoffspielwaren am Markt vertreten, stellte 1963 ihr erstes Autorennbahnsystem, schlicht “Carrera-System” genannt, vor. Den Namen Carrera (spanisch für “Rennen”) hatte der Juniorchef der Firma, Dr. Hermann Neuhierl, bei einem Besuch der Fa. Porsche in Stuttgart von der Bezeichnung eines Porsche-Sportwagens übernommen.

Die Fahrzeuge dieses Systems waren im angenäherten Maßstab 1:32 gestaltet und entsprachen somit der Größe der Konkurrenz, die damals eigentlich nur aus der Fa. Scalextric aus Großbritannien bestand. Dieser Hersteller darf  als Pionier des heute als “Slotracing” bekannten Spielzeugsystems bezeichnet werden, da Scalextric bereits im Jahre 1957 die erste Autorennbahn vorgestellt hatte, bei der durch kleine Elektromotoren angetriebene Modellwagen durch einen in der Fahrbahn befindlichen Schlitz (engl. “Slot”), gefahren werden konnten. Die Fahrzeuge wurden durch einen an der Unterseite des Chassis angebrachten Leitkiel oder Leitstift in der Spur gehalten. Die Strecken wurden aus Kunststoffschienen zusammengesteckt und die Stromversorgung erfolgte über metallische Stromleiter, die beidseitig des Slots angebracht waren und über die Schleifer (Stromabnehmer) am Leitkiel des Fahrzeuges dem Motor die nötige Energie zuführten.

Hermann Neuhierl verfeinerte dieses System der Stromversorgung noch dadurch, daß er bei seiner Carrera-Autorennbahn noch einen dritten Stromleiter vertieft im Slot anbrachte und die Fahrzeuge mit um 360° drehbaren Schleifern ausstattete. Dadurch war es möglich, sogar mit 2 Fahrzeugen unabhängig voneinander auf einer Spur zu fahren. Es war eben nur darauf zu achten, daß die beiden auf einer Spur befindlichen Autos neben dem im Slot befindlichen mittleren Leiter jeweils verschiedene von den beiden außen liegenden Stromleitern nutzten.

Diese als “3-Leiter-System” bekannt gewordene Technik erlaubte natürlich vielfältige Spielmöglichkeiten, führte allerdings auch zu einer gewissen Beschränkung bei der Fahrzeugauswahl, da keine Modelle der in den Folgejahren auf dem Markt gestoßenen Konkurrenzfabrikate ohne Umbau des Schleifersystems auf der Carrera-Schiene gefahren werden konnten.

Die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts kann man durchaus als die absolute Hoch-Zeit des Slotracing bezeichnen. Heimbahnen wie das Carrera-System verkauften sich in großen Mengen, Slotracing-Clubs und Rennzentren wurden vielerorts gegründet. Die Situation stellte sich damals so dar, daß im Bereich der Heimrennbahn der Maßstab 1:32, den Scalextric eingeführt und Carrera sowie später auch viele andere Hersteller übernommen hatten, dominierte, während es beim ernsthafter betriebenen Modellrennsport, der in den Rennzentren stattfand, doch größere Modelle im Maßstab 1:24 waren, die um die Kurse gefahren wurden. Diese größeren Modelle waren in der Mehrzahl aus teuren Präzisionsteilen zusammengefügte Bausätze, die wie ihre Vorbilder aus dem großen Rennsport “frisiert” und verschiedenen Streckenverhältnissen angepaßt werden konnten.

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Anzeige aus “Auto, Motor und Sport”, Heft 24/1968. Im diesem Heft war auch ein mehrseitiger Artikel über den Markt der Modellrennbahnen zu finden; der Umstand, daß ein renommiertes Fachmagazin wie die “ams” sich mit dem Thema beschäftigte, zeigt auf, welchen Stellenwert das Hobby damals innehatte. Carrera 124 wurde im Vergleich zu anderen Systemen als “Beste komplette Anlage im Maßstab 1:24” beurteilt

Der Carrera-Firmenleitung um Hermann Neuhierl war wohl bewußt, daß die im deutschsprachigen Raum inzwischen zum unangefochtenen Marktführer aufgestiegene Carrera-Rennbahn sich nicht vor dieser Szene des Clubsports verschließen konnte, zumal Carrera selbst inzwischen nicht nur die Kunststoff-Heimbahnen, sondern auch aus Holz hergestellte, vierspurige “Clubbahnen” und achtspurige Turnieranlagen anbot, die speziell für Slotracing-Clubs, aber auch für Gaststätten oder sonstige öffentliche Räume geeignet waren. Die im Maßstab 1:32 produzierten Carrera-Modelle wirkten auf diesen Anlagen etwas verloren und mußten zudem aufgrund ihrer 3-Leiter-Technik noch umgerüstet werden, da im kommerziellen Slotracing auf das herkömmliche 2-Leiter-System gesetzt wurde. Ein Hersteller wie Carrera, mit diesem Verbreitungsgrad und technischem Anspruch, konnte es sich einfach nicht leisten, im professionellen Modellrennsport nicht vertreten zu sein.

 

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