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Bebauungsplan

Gebäude für die Autorennbahn

Als die Autorennbahn in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts populär wurde, stand sie von Anfang an in Konkurrenz zum zweiten großen elektrischen Spielzeug, der Modelleisenbahn.

Ein großer Vorteil der Eisenbahn war die Möglichkeit der landschaftlichen Ausgestaltung einer Anlage mit Bäumen, Häusern, Fahrzeugen, Bergen mit Tunneln und vielen anderen Details. Dagegen wirkten die Rennbahnanlagen mit den schlichten schwarzen oder grauen Schienen auf dem Kinderzimmerteppich oder einer Holzplatte wenig ansprechend.  Auch wenn es beim Rennen im Gegensatz zum eher beschaulichen Fahren eines Modellbahnzuges darauf ankam, die Autos möglichst auf der ganzen Strecke im Blickfeld zu haben, wirkte auch die Autorennbahn mit dekorativem Zubehör wie Gebäuden, Figuren und Bäumen deutlich naturgetreuer.

Die Firma Neuhierl/Carrera hatte diesen Umstand auch erkannt und bereits 1963 im ersten Prospekt  zu ihren Rennbahnsystemen eine  Tribüne und Box mit Kameraturm samt zugehöriger Figuren angeboten, die im Fall der Box aber eher schlicht ausgestaltet waren und die Detaillierung von entsprechendem Modellbahnzubehör nicht erreichen konnten.

 

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Bild aus einem frühen Carrera-Prospekt der 1960er Jahre: links die Tribüne, rechts die Boxe mit Kameraturm. Obwohl die Gebäude eher für den Maßstab 1:32 konzipiert waren, waren sie schon in den Anfangsjahren auch an Carrera 124-Anlagen zu sehen.

Erst 1972 wurde das Sortiment in diesem Bereich um einen Kontrollturm und einen großen Presseturm erweitert; die alte Boxe fiel weg und wurde durch eine neue, größere mit funktionsfähigen Toren ersetzt,  auch die Tribüne wurde leicht modernisiert.

Im darauf folgenden Katalog war dann ein Rasthaus zu sehen, mit dem man eine zweispurige Strecke überbrücken konnte; wiederum ein Jahr später ergänzte eine Tankstelle das Gebäudeprogramm.  1975 wurde dann der Tribüne noch eine Vortribüne beigestellt, die einzeln aufgestellt werden oder vor die Dachtribüne plaziert werden konnte. Diese wurde dann mit einem sog. Stützensatz für Tribünenhochbau versetzt über der Vortribüne gestellt.

Die Carrera-Gebäude bestanden in der Regel aus einer schwarzen Grundplatte, grünen und transparenten Gebäudeteilen und roten Dächern. Alle Teile wurden lediglich gesteckt, dadurch waren die Gebäude auch leicht wieder zerlegbar. Die Farbe der grünen Teile ist in einem helleren und einem dunkleren Ton bekannt, wobei die dunkleren Teile aus späterer Produktion stammen.

In kleiner Stückzahl sind die Gebäude auch in oranger Farbgebung produziert worden. In welchem Zeitraum diese Produktion stattfand, ist nicht genau bekannt, Vermutungen gehen dahin, daß es die Übergangszeit von Hermann Neuhierl zu Kurt Hesse als Eigentümer der Fa. Carrera war.

Sicher dagegen ist die Neuauflage der Gebäude in weiß etwa Mitte der 1980er Jahre. Damals wurden die alten Formen genutzt, um Gebäude für die damals existierenden Produktlinien Carrera Servo 140 und Carrera Profi anzubieten. Da diese Systeme allerdings im Maßstab 1:40 ausgeführt waren, wirkten die Gebäude etwas überdimensioniert.

 

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Das komplette Programm der “neuen”Carrera-Gebäude im Prospekt 1975/76

Ursprünglich waren die Gebäude als Zubehör für Carrera Universal (1:32) gedacht und so auch in den Katalogen präsentiert. Allerdings gab es auch in den frühen Katalogen schon Bilder von Anlagen der Carrera 124, die mit den Carrera-Gebäuden dekoriert waren.  Bei Gebäudemodellen ohne exaktes reales Vorbild ist der Maßstab ja auch mehr oder weniger Auslegungssache, so daß es durchaus auch möglich war und ist, die Gebäude zu Anlagen im Maßstab 1:24 zu stellen. Lediglich an den Garagengrößen bei der Boxe und der Tankstelle läßt sich erkennen, daß dieses Zubehör eigentlich wohl eher für den Maßstab 1:32 geplant waren. Zwar passen auch Fahrzeuge in 1:24 hinein, jedoch  wird es hier je nach Wagentyp schon etwas eng. Dagegen waren die Figurensätze, die Carrera von einem externen Lieferanten (Fa. Frömter) zukaufte und zu den Gebäudebausätzen anbot, eher im Maßstab 1:24 gehalten. Dies wird deutlich, wenn man die Figuren einmal vergleichsweise direkt neben ein Auto in 1:32 und eines in 1:24 stellt.

Ab dem Katalogjahr 1977/78 war jedenfalls auf den entsprechenden Seiten der deutliche Hinweis „Auch für System 124“ zu finden und somit auch „offiziell“ bestätigt, daß auch die Liebhaber des großen Systems ihre Anlagen nicht ohne optische Dekoration betreiben mußten.

 

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Bild aus einem Spielwaren-Weihnachtsprospekt der Fa. Karstadt aus dem Jahre 1969: Links am Bildrand ist die Carrera-Tribüne zu sehen - wiederum als Ausschmückung einer Carrera 124-Anlage.

Wem das zunächst überschaubare Carrera- Angebot in Sachen Bahndekoration nicht ausreichte, konnte ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre auf weitere Gebäudebausätze der Firma Herpa für die Rennbahn zurückgreifen. Herpa wurde 1949 von Wilhelm Hergenröther in Nürnberg gegründet („Herpa“ steht dabei für die Kurzform von „Hergenröther-Patente“) und produzierte anfangs unter anderem Zubehör für Modelleisenbahnen wie Streumaterial, Bäume und Grasmatten. 1965 wurde die Fa. Herpa von Fritz Wagener, Inhaber der Fa. RIWA-Plastik in Dietenhofen übernommen, die Produktion von Modelleisenbahnzuhör – inzwischen auch Gebäudebausätzen – aber fortgeführt und weiterhin unter dem Namen Herpa angeboten. Herpa-Bausätzen eilte in der Branche aufgrund der feinen Detaillierung ein guter Ruf voraus und so standen die Vorzeichen gut, daß auch die vom Unternehmen geplanten Gebäude für elektrische Autorennbahnen ein Erfolg werden würden.

Auch bei Herpa hatte man den steilen Aufstieg des Slot-Racing in den 1960er Jahren registriert und eine Ausweitung des Produktprogramms auf diesen Sektor des Spielwarenmarktes beschlossen. Mit den Artikelnummern 900 bis 906 wurden sieben verschiedene Gebäudebausätze produziert, die hier gezeigt werden sollen. Daneben produzierte Herpa weiteres Zubehör wie Figuren (Zuschauer und Rennpersonal), Strohballen, Ölfässer, Werbetafeln, Absperrgitter usw. mit denen eine lebensnahe Ausgestaltung einer Autorennbahn möglich war.  Die Detaillierung der Gebäude im Modellbahnmaßstab H0 hatte man auch auf die größeren Rennbahngebäude übertragen, so daß nach Meinung vieler Slotracing-Liebhaber die Herpa-Gebäude bis zum heutigen Tage zum Schönsten gehören, womit man seine Rennbahnanlage ausschmücken kann.

 

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Bild auf der Rückseite des Herpa-Hauptkataloges 1970/71: Herpa-Gebäude rund um eine Fleischmann-Bahn. Die Ursprünge der Firma Herpa aus dem Geländebau für Modelleisenbahnanlagen sind deutlich erkennbar.

Der Maßstab war ähnlich wie bei Carrera so gewählt, daß man die Gebäude sowohl zu den damals wie heute im Heimbahnbereich meist vorhandenen Anlagen im Maßstab 1:32 als auch zu den größeren Carrera 124-Bahnen stellen konnte, ohne daß eine optische Diskrepanz entstand.  Im Gegensatz zu den späteren Carrera-Gebäuden, die nur zusammengesteckt und daher auch jederzeit wieder demontiert werden konnten, wurden die Herpa-Gebäude entsprechend den Bausätzen aus dem Modellbahnsektor aus einer Vielzahl von Einzelteilen fest verklebt. Dies erforderte schon ein gewisses bastlerisches Geschick und hat damals sicher einigen Vätern, die den Söhnen zum Heiligen Abend eine Rennbahn mit Zubehör unter den Weihnachtsbaum stellen wollten, im Vorfeld einige Bastelabende in der stillen Kammer beschert.

 

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Ein weiterer Ausschnitt aus dem Karstadt-Weihnachtsprospekt 1969: Herpa-Gebäude und -Figuren an einer Autorennbahn. Diesmal handelt es sich allerdings nicht um Carrera, sondern um ein eher schlichtes Produkt der Marke “Policar”.

Bilder und kurze Beschreibung der Gebäude von Carrera und Herpa finden sich auf den folgenden Seiten.

Carrera-Gebäude für die Autorennbahn  

Herpa-Gebäude für die Autorennbahn

 

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