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Neues Interesse (ab 1976)

Im Jahr 1976 kam es bei mir zu einem wiedererwachten Interesse an der Carrera 124.

Ich war inzwischen 12 Jahre alt und kann mich noch erinnern, daß ich mir 1976 den aktuellen Carrera-Katalog  “Carrera 76/77” in einem Spielwarenladen kaufte und intensiv studierte. Der Anblick der inzwischen großen Palette an Fahrzeugen und besonders der sehr wirkungsvollen großformatigen Fotos, die die verschiedensten Carrera-Fahrzeuge auf wunderschön ausgestalteten Strecken zeigten, hatte es mir angetan. So eine tolle Strecke wollte ich auch haben! Zuerst wurde sondiert, was denn noch so an brauchbaren Teilen von der Bahn vorhanden war. Das Ergebnis war allerdings nicht so ermutigend. Der Ferrari Dino war noch da, zwar fehlte die untere Strebe an vorderen Lufteinlaß und auch eines der hinteren Flügelchen war abgebrochen, aber immerhin fuhr dieser Wagen noch! Vom Carrera 6 waren nur noch Fragmente vorhanden, die Karosserie war wohl mal in den Müll gewandert und die Reste des Chassis waren auch nicht mehr fahrtüchtig. So mußte ich zuerst mal lernen, aus welchen Teilen so ein 124er Chassis zusammengesetzt war und wie man es wieder zusammenbaute. Zum Glück fand ich noch eine alte “Betriebs- und Montageanleitung”, in der das und vieles andere erklärt war.

Damals – man kann es sich heute kaum noch vorstellen – konnte man einfach in einen gutsortierten Spielwarenhandel gehen und sich für alle gängigen Fahrzeuge eine einzelne Ersatzkarosserie kaufen. So erwarb ich also eine Karosserie für meinen geliebten Porsche Carrera 6 und komplettierte so mein altes Chassis. Leider wurden die damals erhältlichen Ersatzkarossen fast alle ohne die Startnummernaufkleber ausgeliefert. Es gab zwar im Zubehörsortiment von Carrera einen Aufkleberbogen mit Wasserschiebebildern von Startnummern, Abzeichen und Rallyestreifen, dieser enthielt aber nicht die für den weißen Carrera 6 so charakteristischen quadratischen Startnummernfelder mit dem speziellen Schrifttyp der Ziffern, der nicht dem der anderen Modelle entsprach. So mußte ich den Carrera 6 wohl oder übel mit runden Startnummernfeldern und den Standardziffern bestücken, was mir aber optisch nicht besonders gefiel. Außerdem mußte ich die Erfahrung machen, daß diese nachträglich aufgebrachten Wasserschiebebilder noch viel kratzempfindlicher waren als die von Werk aufgebrachten. Ein näherer Kontakt mit der Leitplanke und die Startnummer zeigte Auflösungserscheinungen!

Eine Strecke, die mit dem Material, welches ich noch hatte, zu bauen war, entnahm ich ebenfalls dem Katalog, der auf den hinteren Seiten auch Streckenvorschläge für die verschiedenen Systeme enthielt. In Natura sah das Ganze aber dann nicht entfernt so eindrucksvoll aus, wie auf den Fotos im Katalog. Die Schienen wirkten auf dem einfachen Kinderzimmerteppich, ohne Gebäude und Figuren doch erheblich trister als ich mir das erhofft hatte. Zudem war die Strecke relativ kurz und kurvig. Sie sah also nicht nur langweilig aus, sondern war auch noch langweilig zu fahren!

Mein nächstes großes Ziel war es aber jetzt, ein neues Auto zu der Bahn zu bekommen und endlich von dem Dino/Carrera 6-Einerlei wegzukommen. Interesse hatte ein dunkelroter Sportwagen mit vielen Rundungen und einer entfernten Ähnlichkeit zum Carrera 6 geweckt: Ein im Katalog als “Sportwagen Ford 3 Ltr.” bezeichnetes Fahrzeug. Formgebung und Farbe gefielen mir ausnehmend gut und so wurde dieses Auto auf den Wunschzettel für das nächste Weihnachtsfest gesetzt. Ich hatte zwar keinerlei Ahnung, was genau für ein Fahrzeug das war, da ich das Vorbild nie gesehen hatte, aber der Wagen gefiel mir so gut, daß ich selbst die eindrucksvollen Porsche 911 Turbo und BMW CSL-Coupé, die ebenfalls im Katalog zu sehen waren, erst einmal auf meiner persönlichen Wunschliste zurückstellte.

Weihnachten 1976 lag dann nach 8 Jahren endlich wieder etwas von der Carrera 124 unterm Baum: Mein ersehnter Ford 3 Ltr.! Ich kann mich noch heute an das Glücksgefühl erinnern, als ich die blaue Packung mit dem metallic-rot schimmernden Auto auspackte. Herrlich!

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 Mit meiner Mutter und dem neuen Ford 3L ganz stolz vor dem Weihnachtsbaum. Und es stimmt wirklich: Früher war mehr Lametta!

Doch was war das? Das Modell war aus einem seltsamen weichem Kunststoff, der Fahrereinsatz war nur mit einem Stück Klebefilm an der Karosserie befestigt, die Karosserie selbst war nicht geschraubt, sondern nur mit Klammern seitlich am Chassis befestigt. Merkwürdig! Mein Vater, der das Modell auch begutachtete, schimpfte schon über diese vermeintlich simple Aufmachung, es sei unglaublich, wie billig die Autos jetzt zusammengebaut würden. Ja, hätte er mir einmal schon früher ein zusätzliches Auto geschenkt! Dann hätte er gewußt, daß diese Leichtkunststoffkarosserien nicht eine Vereinfachung der Produktion darstellten, sondern im Prinzip die Standardbauweise von Carrera 124-Fahrzeugen in der Anfangszeit waren. Die gespritzten Hartplastikkarosserien von Carrera 6 und Dino stellten 1968 und auch in den folgenden Jahren die Ausnahme dar, im Zuge eines günstigen Schwerpunktes und dadurch höheren Kurvengeschwindigkeiten waren die ersten Autos des Systems 124 sonst alle mit den leichten “Lexan”-Karosserien ausgestattet. Aber das wußte ich zum damaligen Zeitpunkt auch noch nicht, ich hatte zwar noch einen alten Katalog 1968/69, auf den Bildern konnte aber nur ein Spezialist erkennen, daß Fahrzeuge wie Cobra Daytona und Roadster, McLaren Elva und Ferrari GTO auch diese Lexankarossen aufwiesen.

 

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Weihnachten 1976: Glückliche Kinder mit Puppe “Peterle” und dem Ford 3 Ltr.!

Der Ford 3 Ltr. fuhr jedenfalls hervorragend und machte durch sein elegantes dunkelrot auch optisch eine gute Figur auf der Strecke. Leider stellte sich mit der Zeit heraus, daß die Befestigung der Karosserie mittels der seitlichen Klammern keine optimale Lösung war. Im Fahrbetrieb, der ja nie gänzlich ohne Abflüge oder Kollisionen vonstatten geht, rissen nach einiger Zeit die Befestigungslöcher in der Karosserie für diese Klammern aus und so hatte ich schon kurze Zeit später das Problem, daß die Karosserie nicht mehr richtig auf dem Chassis hielt. Ich versuchte zwar mit innen eingeklebten Klebefilmstreifen das ausgerissene Lexan zu reparieren, aber optisch begeisterte mich das nicht, da an der Unterseite der Karosse deutlich zu sehen war, daß Teile des Lexan fehlten.

Nie mehr Lexan! Das hatte ich mir vorgenommen und zum folgenden Weihnachtsfest 1977 endlich eines der neueren Autos, deren Vorbilder nicht mehr aus den 60ern stammten, gewünscht: Den Porsche 911 RSR Turbo!

Als der dann auch 1977 unterm Weihnachtsbaum lag, war ich beeindruckt: Breite und Länge des Fahrzeugs übertrafen alles, was ich bisher von Carrera kannte. Auch der gewaltige Heckflügel des Porsche machte sofort klar, was man hier für einen Boliden auf der Strecke hatte!

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Weihnachten 1977: Wieder einmal den Fuhrpark erweitert, diesmal mit einem Porsche 911 RSR Turbo.

Leider stellte sich bei diesem Fahrzeug heraus, daß es so breit war, daß der Porsche beim Durchfahren des Rundenzählers mit den hinteren Kotflügelverbreiterungen an die Metallstange stieß, die beim Überfahren der im Fahrbahnschlitz angeordneten Schaltzunge das Zählwerk auslöste. Der Rundenzähler war zu einer Zeit konstruiert worden, als die Fahrzeuge noch deutlich kleiner waren! Unschöner Nebeneffekt dieser Berührungen war, daß der Porsche, dessen Karosserie im Gegensatz zu fast allen anderen Fahrzeugen nicht aus durchgefärbtem Kunststoff bestand, sondern lackiert war, sofort dunkle Stellen an diesen Verbreiterungen zeigte, weil eben der Lack abgerieben wurde. Auch die seitlichen Flügelspitzen am monströsen Heckspoiler des Porsche zeigten sich empfindlich: Die brachen nämlich schon bei geringer Gewalteinwirkung einfach ab.

Ich wurde damals nachdenklich: So reizvoll eine Carrera-Anlage auch war: Die Schönheit der Autos war sehr vergänglich, wenn man das tat, wofür sie eigentlich bestimmt waren: Nämlich Rennen damit zu fahren. Selbst bei einigermaßen vorsichtiger Fahrweise war nicht zu verhindern, daß die Autos beschädigt wurden: Sei es durch einen Abflug, der im Eifer des Gefechts immer einmal vorkommen kann oder durch die Unachtsamkeit des Gegners, der sein Fahrzeug schon einmal quer stellte, ohne daß man selbst die Möglichkeit hatte, aus voller Fahrt rechtzeitig abzubremsen und eine Kollision zu vermeiden. War es bei den ersten Autos noch die Tatsache, daß ich einfach zu jung war, um mit dem Spielzeug richtig umgehen zu können, zeigte sich nun, daß auch bei altersgemäßer Benutzung der Bahn Schäden an den Fahrzeugen nicht ausblieben.

 

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