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Ich sammle Rennbahnautos, neudeutsch “Slotcars”, ursprünglich nur von Carrera 124, heute aber auch von Carrera Exclusiv bzw . Digital 124 und (wenige) von anderen Herstellern im Maßstab 1:24.

“Ein Spinner” werden manche denken, wozu sammelt man Rennbahnautos? Die sind zum Fahren auf Autorennbahnen bestimmt, zum Sammeln gibt es genug schöne Standmodelle in allen Maßstäben und Preisklassen.

Das ist wohl richtig, die Standmodelle habe ich ja außerdem noch. Der enge Bezug zu den Rennbahnmodellen, die mich inzwischen den Großteil meines Lebens mehr oder weniger begleitet haben, ist sicherlich nicht unbedingt rational zu erklären. Ich versuche es trotzdem mit der folgenden “Rennbahngeschichte”, also meiner persönlichen Geschichte, wie ich zu diesem Hobby kam. Zu meiner Beruhigung bin ich aber nicht alleine. Das Sammeln von insbesondere alten Modellen für die Autorennbahn ist durchaus innerhalb der Szene verbreitet, wenn man sich das Interesse der erwachsenen Besucher z.B. auf Börsen oder Internetauktionen wie ebay ansieht.

Die Anfänge (1968)

Weihnachten 1968, ich war zu diesem Zeitpunkt nicht einmal 5 Jahre alt. Am Heiligabend stand eine Carrera-Bahn unter dem Weihnachtsbaum, eine Carrera 124 “Avanti”. Mein Vater, immer schon am Motorsport interessiert und in den 1960er Jahren auch schon mal an den realen Rennstrecken wie dem Nürburgring oder Spa-Francorchamps zu finden, hatte es sich nicht nehmen lassen, mir eine Autorennbahn zu schenken. Diese Rennbahnen, 1963 erstmals in Deutschland von Carrera auf den Markt gebracht, erfreuten sich zu der damaligen Zeit einer hohen Beliebtheit. Es gab wohl nur wenige Haushalte mit Kindern, in denen zu der damaligen Zeit nicht irgendwann einmal die kleinen Elektroflitzer um die zusammengesteckten Kurse surrten.

Meine Mutter hat ja immer behauptet, die Bahn habe sich mein Vater in erster Linie selbst geschenkt, ich sei ja mit 4 Jahren eigentlich noch zu jung dafür gewesen. Im Rückblick betrachtet ist das sicher richtig. Es war nämlich nicht die damals sehr verbreitete Carrera “Universal”, die da stand, sondern die erst ein Jahr zuvor auf den Markt gekommene große “124”. Diese war um einiges teuerer als die Universal, die als Geschenk für ein Kind sicherlich ausgereicht hätte. Zu der Grundpackung “Avanti”, die nur aus einem recht simplen kleinen Oval bestand, hatte mein Vater dann noch weitere Bahnstücke wie Geraden, Kurven und sogar eine Steilkurve und eine Brücke gekauft. Warum er dann nicht gleich eine größere Grundpackung gewählt hatte, in der solche Schienen schon enthalten waren, war mir auch nicht recht klar. Wahrscheinlich war er als regelmäßiger Leser der Zeitschrift “Auto, Motor und Sport” der Empfehlung im Heft 24 vom 23. November 1968 gefolgt, in dem ein Bericht über den Markt der Modellrennbahnen enthalten war und die Carrera 124 als “beste komplette Anlage im Maßstab 1:24” beurteilt  wurde. Empfohlen wurde in diesem Artikel ausdrücklich die “Avanti”-Grundpackung, da sie sehr preisgünstig war und im Gegensatz zur ebenfalls günstigen “Daytona”-Packung die besseren Fahrzeuge enthielt. Die Avanti wurde somit als “günstigster Kauf” qualifiziert, zu der dann noch beliebige Streckenteile hinzu erworben werden konnten. Die Tatsache, daß sich eine renommierte Fachzeitschrift damals mit diesem Thema befaßte, zeigt den Stellenwert auf, den die Autorennbahnen Ende der 1960er Jahre noch besaßen. So stand also die erweiterte “Avanti” am Heiligabend 1968 neben dem Weihnachtsbaum, ausgeschmückt mit einer Tribüne mit Zuschauern, einer Boxe mit Mechanikern und Bäumen am Fahrbahnrand. Alles war sehr liebevoll aufgebaut worden und muß mich wohl damals nachhaltig beeindruckt haben.

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Weihnachten 1968: Der Beginn einer großen Leidenschaft

Weihnachten und an den folgenden Tagen war natürlich Autorennen angesagt. Hauptsächlich gegen meine kleine Schwester (damals 2 Jahre alt), die immer mit dem roten Ferrari Dino fahren wollte. Offensichtlich ein klassisches Frauenauto. Ich war stolzer Pilot eines weißen Porsche Carrera 6, eines Wagens, der noch heute zu meinen absoluten Favoriten bei historischen Rennsportwagen gehört.

Da Carrera zum damaligen Zeitpunkt nur eine Tribüne und eine relativ simple kleine Boxe als Zubehör anbot, hatte mein Vater ein Boxengebäude von der Firma Herpa dazu gekauft. Diese Herpa-Bausätze waren wohl das schönste, was bis heute an Gebäuden für Autorennbahnen angeboten wurde. Sie wurden nicht nur gesteckt, sondern richtig zusammengeklebt und waren detaillierter als alles andere, was in diesem Segment zu bekommen war. Leider waren sie dadurch auch empfindlicher und haben die rauhe Behandlung durch Kinderhände oft nicht unversehrt überstanden.

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Der erste Gegner auf der Rennstrecke: Meine Schwester

In der Folgezeit stellte sich heraus, daß meine Mutter mit ihrem Einwand, eine solche Bahn sei noch nichts für knapp 5-jährige Kinder, wohl recht gehabt hatte. Die Autos wurden nicht gerade pfleglich behandelt, Unfälle wurden auch schon einmal absichtlich herbeigeführt und die Schienen wurden des öfteren auch als Straße für Matchbox- und Siku-Autos zweckentfremdet. Auch das Bemalen der weißen Mittelstreifen auf den Schienen in allen möglichen und unmöglichen Farben war ein netter Zeitvertreib.

Die Bahn wurde zwar oftmals auf- und wieder abgebaut (wobei die Schienen einige ihrer nicht unbedingt bruchfesten Verbindungszapfen verloren), aber die Autos wurden immer unansehnlicher (den Wunsch nach neuen Autos lehnte mein Vater mit dem einfachen, aber wirkungsvollen Argument: “Ihr könnt ja ohnehin nur mit zwei Autos fahren” ab) und so verlor ich in den Folgejahren erst einmal das Interesse an der Carrera-Bahn, jetzt waren andere Spielzeuge gefragt.

 

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