Home_banner800schmal1
michel_vaillant

Was haben Comics mit dem sonstigen Inhalt dieser Seiten zu tun? Diese Frage wird sich der ein oder andere Besucher stellen. Die Verbindung ist aber gar nicht so abwegig. “Michel Vaillant” ist eine Comic-Serie, in der es in erster Linie um Autos und vor allem um den Motorsport geht. Sie ist damit auch der einzige Comic zum Thema “Sport”, der sich erfolgreich im Comic-Markt durchgesetzt hat. Und da Autos und Motorsport mich schon in der Jugend interessierten, wurde ich natürlich auch auf die Serie “Michel Vaillant” aufmerksam.

Im Mittelpunkt der Serie des Autors Jean Graton steht die Familie Vaillant aus Frankreich, die Eigentümer der fiktiven “Vaillante”-Automobilwerke sind und darüberhinaus Motorsport in seinen verschiedensten Ausprägungen betreiben. Formel-Rennsport, Le Mans-Prototypen, Tourenwagen und Rallye – überall sind die Vaillante-Werke vertreten und erfolgreich. Hauptperson Michel Vaillant, der jüngere Sohn der Familie, ist zugleich Top-Pilot in den verschiedenen Wagen der Firma. Sein älterer Bruder Jean-Pierre ist für die Konstruktion und das Management zuständig, während Vater Henri Vaillant als graue Eminenz über allem wacht. Unterstützt wird Michel Vaillant meistens von seinem amerikanischen Freund Steve Warson, der ebenfalls ein Allround-Pilot für alle Formen des Rennsports ist.

museum04
museum01

Das Museum “Autoworld” in Brüssel hat eine eigene Sektion rund um das Thema “Michel Vaillant”. Autor Jean Graton, geboren in Nantes (Frankreich), arbeitete in der Nachkriegszeit in Brüssel als Werbezeichner und startete 1957 seine Comicserie “Michel Vaillant”.

Michel Vaillant war mir bis vor einiger Zeit nur als Comic der “Zack”-Ära des Hamburger Koralle-Verlags Ende der 70er bis Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts ein Begriff. Neben den Fortsetzungsgeschichten in den Zack-Heften gab es auch Comic-Alben, die zunächst (neben anderen Comicalben wie z.B. “Lucky Luke”) in der Reihe “Zack-Comic-Box” publiziert wurden. Ab dem sechsten Album wurde “Michel Vaillant” dann eine eigenständige Albenserie, die dann auch beginnend mit der Nr. 6 durchnumeriert wurde.

Doch die “Zack” bzw. Koralle-Alben sind jedoch nur ein kleiner Ausschnitt der gesamten Vaillant-Saga. Bereits 1957 erschien in Frankreich das erste Album der Serie mit dem Titel “Le Grand Defi” (Das große Duell). Die Reihe “Michel Vaillant” wird bis heute noch fortgeführt und inzwischen in modernisierter Form als “Saison 2” publiziert. Daneben gab es noch eine Vielzahl von Kurzgeschichten, die im Laufe der Jahre in verschiedenen Heften abgedruckt wurden. Die “Zack”-Alben waren allerdings relativ willkürlich aus dem Gesamtzyklus herausgenommen und mit einer eigenständigen Numerierung versehen worden, die nicht mit der Numerierung der französischen Originalausgabe übereinstimmte. Dies verwirrt in einigen Fällen, da es Alben gibt, die auf Handlungsstränge zurückliegender Alben Bezug nehmen.

Nachdem der Koralle-Verlag sich vom Comic-Markt zurückgezogen hatte, erschienen die Michel Vaillant-Alben im Ehapa-Verlag. Dort aber nicht als eigene Serie, sondern in einer Reihe mit dem Namen “Die großen Flieger- und Rennfahrercomics”. Diese Serie umfaßte folglich auch noch andere Comics von anderen Autoren, wodurch sich wieder Lücken in der Numerierung auftaten, wenn man nur die Vaillant-Alben bei Ehapa betrachtete. Um die Konfusion vollständig zu machen, stimmten natürlich auch diese Nummern nicht mit der Originalausgabe überein, waren aber zumindest in richtiger zeitlicher Reihenfolge sortiert. Doch nach 7 Michel Vaillant- und einigen anderen Alben wurde die Ehapa Flieger- und Rennfahrerreihe 1984 schon wieder beendet.

1989 ging es dann endlich mit deutschen Alben weiter. Der Carlsen-Verlag brachte den Rennfahrer in seiner “Carlsen Classics”-Reihe. Nicht nur von den Titelbildern waren die Alben stark an das französische Original angelehnt (wenn auch ein etwas merkwürdiger grüner Rahmen die Titel zierte), endlich stimmte auch einmal die Numerierung mit der originalen überein. Da der Carlsen-Verlag zudem mit “Duell auf der Piste” (eine etwas freiere Übersetzung von “Le Grand Defi”) das allererste Vaillant-Abenteuer brachte, konnte man darauf hoffen, daß endlich einmal alle Alben in deutscher Sprache und richtiger Reihenfolge für die deutschsprachigen Fans aufgelegt wurden. Doch diese Hoffnung erfüllte sich zunächst nicht; es sollte noch über 20 Jahre bis zum Jahr 2010 dauern, bis die Alben der Michel-Vaillant-Saga komplett in deutsch verfügbar waren.

Denn bereits 3 Jahre später war die Carlsen Classics-Serie wieder beendet, zumindest was Michel Vaillant angeht. Ob es der mangelnde kommerzielle Erfolg oder andere Gründe waren, entzieht sich meiner Kenntnis. Zumindest gab es jetzt die Alben 1-13 in ansprechender Aufmachung, die Nr. 14 war bereits im Koralle-Verlag erschienen, mit Album 15 aber begannen die Lücken.

Weitere 3 Jahre später, also 1995, gab es wieder einen neuen Verleger: Der Kleinverlag Seven Island verschaffte den deutschsprachigen Lesern neuen Stoff und führte die Reihe im Stil der Carlsen-Alben fort; also mit der Originalnumerierung und auch mit den Titelbildern und (bei den neueren Alben) Schriftzügen der französischen Originalausgabe. Doch die Möglichkeiten von Seven Island als Kleinverlag waren natürlich beschränkt: Das Erscheinen neuer Alben hing in erster Linie davon ab, ob sich die Gelegenheit bot, die Alben zusammen mit fremdsprachigen Auflagen mitdrucken zu lassen und eben nur die Texte auszutauschen.

Anfang 2006 wurde bekannt, daß auch Seven Island keine weiteren Michel Vaillant-Alben verlegen wird. Die Gründe wurden nicht genannt, könnten aber evtl.  in zu hohen Lizenzforderungen der Rechteinhaber gelegen haben. Wie es mit der Serie im deutschsprachigen Raum weitergehen würde, war damit wieder äußerst fraglich geworden. Erfreulicherweise stellte sich dann im April 2006 heraus, daß der Berliner Mosaik Steinchen für Steinchen-Verlag, der u.a. auch das neue “Zack”-Heft publiziert, in einer “Zack-Edition” genannten Albenreihe auch Michel Vaillant mit in sein Programm aufnahm. Mit geplanten 6 Alben pro Jahr - und zwar jene, die bislang nicht als deutschsprachige Alben erschienen sind - wurde die Serie dann sogar schneller komplettiert, als sich das die deutschsprachigen Vaillant-Liebhaber bis dato vorstellen konnten. Im Juni 2006 war es dann soweit: Mit der Nr. 52  “F 3000” erschien das erste Album der “Zack-Edition” in der schon von Seven Island gewohnten hohen Druck- und Grafikqualität. Bis Ende 2006 wurden wie angekündigt noch drei weitere Alben publiziert und auch in den Folgejahren ging es mit regelmäßigen Veröffentlichungen weiter, so daß dann im März 2010 endlich alle Alben - wenn auch von fünf verschiedenen Verlagen - in deutscher Sprache vorlagen.

MV03
43vaillante_rush1

 Da ist sie dann doch, die Verbindung von “Michel Vaillant” und den Modellautos: Die französische Firma Altaya hat einige “Vaillante”-Modelle aus den Comics als Metallmodelle im Maßstab 1:43 produziert (www.altaya.fr)

Um in das zunächst etwas verwirrende Gemenge von Verlagen, Alben-Nummern und Titeln die Übersicht zu behalten, habe ich einmal eine Tabelle erstellt, die alle Titel aufführt und Auskunft darüber gibt, welche Alben ursprünglich in deutscher Sprache erschienen sind. Allerdings hat der Mosaik-Verlag in seiner “Zack-Edition” inwischen viele weitere Alben neu aufgelegt, so daß sich das Bild der Serie doch mehr und mehr vereinheitlicht. Neben den alten Koralle-Alben wurden auch die ersten 13 “Carlsen”-Bände neu publiziert, die Neuauflage der “Flieger- und Rennfahrercomics” aus dem Ehapa-Verlag ist ebenfalls in Arbeit. Da die Alben aus dem Seven Island-Verlag bereits in zeitgemäßer Qualität erschienen sind, können sich alle Michel Vaillant-Freunde die Serie in ansprechender Kolorierung, sorgfältiger Übersetzung der französischen Originale und einheitlichem Erscheinungsbild ins heimische Regal stellen.

Die alten Koralle- und Ehapa-Alben sind zwar in dieser Hinsicht alles andere als perfekt, verkörpern aber natürlich schöne Jugenderinnerungen mit vielen vergnüglichen Lesestunden, so daß ich die Alben nicht gegen die besseren Neuauflagen ausgetauscht habe. Ideal wäre es wahrscheinlich, die Neuauflagen zusätzlich zu den alten Heften zu erwerben, da diese vom redaktionellen Inhalt weiterführende Informationen bieten und von der Übersetzung näher am Original sind.

Zum Inhalt der Reihe ist zu sagen, daß bei aller berechtigten Kritik wie teilweise hölzerner Charaktere, überzeichneter Darstellung des “Gutmenschen” Michel Vaillant, sehr konservativer Grundhaltung (insbesondere in den frühen Alben) und anderer Punkte die Serie für einen Anhänger des Motorsports faszinierend ist. Die Zeichnungen der Landschaften sind grandios, die Darstellung der Fahrzeuge bestechend real. Durch den Umstand, daß bei Michel Vaillant die Fiktion mit der Realität verknüpft wird (es spielen einerseits reale Rennfahrer in vielen Alben mit, zum anderen werden neben den “Vaillante” Fahrzeugen und denen des bösen Gegenspielers “Leader” auch viele reale Rennfahrzeuge aller Serien und Epochen dargestellt) wird dem Leser neben den eigentlichen Abenteuern ein Abriß der Geschichte des Motorsports von den späten 50er Jahren bis heute präsentiert. Daß die Helden Michel Vaillant und Steve Warson sich seitdem kaum verändert haben und im Gegensatz zu ihren Rennfahrerkollegen zeitlos hervorragende Leistungen bringen, ist das Privileg von Comic-Figuren.

Auf der Frankfurter Buchmesse 2007 wurde nach Informationen des Verlages Graton Editeur, der für die Veröffentlichungen der französischen Originalalben verantwortlich zeichnet, bekannt, daß die Reihe mit Band 70 “24 Stunden unter Druck” beendet wurde. Eine Nachfolgeserie zum Thema Motorsport war geplant; letztendlich wurde “Michel Vaillant” dann aber doch in deutlich modernisierter Form als Staffel 2 bzw. Saison 2 ab 2012 neu etabliert. Konsequenterweise werden die Bände der neuen Staffel dann wieder neu ab Nummer 1 gezählt. Verantwortlich für die neue Staffel ist ein Team um Philippe Graton, dem Sohn Jean Gratons, der auch schon die letzten Bände der alten Serie publizierte, da Jean Graton dies aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich war.

Wer Michel Vaillant kennenlernen möchte oder längst vergessene Jugenderinnerungen der “Zack”-Ära auffrischen möchte, kann dank der “Zack Edition” die meisten Alben problemlos bekommen. Auch die älteren Bände sind dank bekannter Internet-Anbieter wie ebay relativ leicht zu bekommen. Mit etwas Geduld sind hier die alten Zack-Alben recht günstig zu kaufen. Bei Ehapa-und Carlsen-Alben wird es schon schwieriger, prinzipiell werden auch die immer einmal wieder angeboten, erfreuen sich aber einer anscheinend höheren Nachfrage, was sich dann entsprechend im Preis niederschlägt. Gleiches gilt für die Seven Island-Alben, die es inzwischen auch nur noch antiquarisch gibt. Die Mosaik-Alben der “Zack Edition” sind beim Verlag direkt (www.zack-magazin.com), im Comic- bzw. Buchhandel oder bei Internet-Versendern wie amazon (www.amazon.de) zu bekommen.

Für alle, die an ausführlicheren Informationen zum Thema “Michel Vaillant” interessiert sind, gibt es die sehr empfehlenswerte deutschsprachige (private) Seite www.michel-vaillant.de . Hier finden sich umfangreiche Informationen zu der Serie, insbesondere eine ausführliche Comicographie, die nicht nur die Alben, sondern auch Kurzgeschichten und Abdrucke in Heftform umfaßt.

vaillante_leader

Rennbahnmodelle von Fly im Maßstab 1:32: Lola B98/10 als “Vaillante” und Panoz LMP 1 als “Leader”. Diese beiden Fahrzeuge fuhren tatsächlich in dieser Farbgebung beim 24 Std.-Rennen von Le Mans 2002 mit, um Aufnahmen für den Michel Vaillant-Realfilm von Gilles Mallencon und Luc Besson zu ermöglichen.

Ferrari512BB_mv4

Noch ein “Vaillant-Auto”: Der Ferrari 512 BB LM von Carrera Evolution in 1:32. Der “Michel Vaillant”-Schriftzug auf einem Rennwagen läßt erahnen, wie populär die Comic-Serie einst war. Das Original dieses Modells nahm am 24 Std.-Rennen von Le Mans 1980 teil. Fahrer war u.a. Pierre Dieudonne, der auch in vielen Vaillant-Alben der damaligen Zeit eine Rolle spielte.

museum03

Ein weiterer Schnappschuß aus dem “Autoworld”-Museum in Brüssel.

bbr512BBLM

Der Ferrari 512 BB LM als hochwertiges Metallmodell von BBR im Maßstab 1:18, natürlich auch vorbildgerecht mit dem “Michel Vaillant-Schriftzug vor den Vorderrädern.

Home   Modellautos   Autorennbahn   Michel Vaillant   Links   Impressum   Datenschutz