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Schabak, ein deutscher Hersteller von Modellen, hauptsächlich im Maßstab 1:43 und 1:24 bzw. 1:25, ist heute nicht mehr am Markt vertreten. Da diese Modelle quasi den Ursprung meiner heutigen Sammlung bilden, soll hier aber kurz  auf die Geschichte dieses Herstellers eingegangen werden, der insbesondere mit Miniaturen von VW, Audi, BMW und Ford bekannt wurde.

Schabak wurde 1966 von Wolfgang Stolpe und drei weiteren Gesellschaftern  als Spielwaren-Vertriebsgesellschaft, hauptsächlich für die damals populären Schuco-Modelle, gegründet. Nach Schucos Insolvenz im Jahre 1976 wurde die Marke Schuco an eine britische Investorengesellschaft verkauft, die ihrerseits nach finanziellen Problemen 1980 Schuco an die Fa. Mangold (GAMA) veräußerte. Nur kurze Zeit vor der Insolvenz hatte Schuco neben der bekannten Serie von Druckgußmodellen im Maßstab 1:66 eine Reihe im bekannten Sammlermaßstab 1:43 am Markt lanciert. Diese Produktgruppe konnte aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht mehr allzu umfangreich ausgebaut werden und so trat Anfang der 1980er Jahre Schabak - jetzt als Produzent von Modellen aus Zinkdruckguß im Maßstab 1:43 - in den Markt ein. Die ersten Schabak-Modelle waren von der Machart (zu öffnende Türen und Hauben, leichtlaufende Achsen aus Federstahl, einzeln eingesetzte rote Heckleuchten und Bodenteil aus Metall) den ehemaligen Schuco-Modellen recht ähnlich. Auch das frühe Logo der Schabak-Modelle erinnerte stark an das der Schuco-Miniaturen (siehe Bilder unten). 

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Schabak-Logo auf den frühen grünen Verpackungen

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Papiereinleger in der Schachtel des Schuco-Audi 100 in 1:66

Schabak konzentrierte sich von Beginn an auf die deutschen Hersteller Audi, BMW, Ford und VW. Die Modelle wurden im Laufe der Zeit immer weiter verfeinert. Typenspezifische Räder gab es von Beginn an, später wurden neben den Heckleuchten auch die Frontscheinwerfer und Blinkleuchten als transparente Kunststoffteile eingesetzt. Nachbildungen der Rückspiegelgehäuse wurden in den 1990er Jahren Standard. Von Anfang an waren bei den Modellen Türen (bei Nachbildungen viertüriger Autos nur die Fronttüren), Motorhaube und Kofferraumklappe zu öffnen. Schabak selbst nannte seine Miniaturen “Präzisionsmodelle” und auch wenn die Detaillierung  heutigen Ansprüchen nicht mehr ganz gerecht wird, waren die Modelle für ihre Zeit wirklich außergewöhnlich vorbildgetreu dargestellt. Besonders die Formen der Vorbilder traf man bei Schabak immer sehr gut. Es gab einmal das Gerücht, Schabak habe für den Formenbau u.a. einen Bildhauer beschäftigt. Ob dies eine Legende ist oder den Tatsachen entspricht, kann hier nicht belegt werden. Naheliegend ist es allerdings schon, vergleicht man z.B. ein Modell des Schabak Audi 80 B4 aus den 1990er Jahren mit einem Modell der Fa. NEO, welches etwa 20 Jahre später mit fortgeschritteneren Produktionsmethoden entwickelt wurde, ist festzustellen, daß bei einer Gegenüberstellung der Miniaturen das Schabak-Modell einen deutlich besseren Eindruck macht, da es rein formal das große Vorbild viel genauer trifft. 

So gut die eigentlichen Formen waren, so nachlässig war teilweise leider die Verarbeitung, insbesondere die Lackierung. Lacknasen, Farbläufer, “Orangenhaut”, einlackierte Staubfasern und teilweise nur sehr dünn lackierte Flächen waren leider bei mehr als einem Modell “frisch aus der Packung” zu sehen. Nichtsdestotrotz waren die Schabak-Miniaturen eine Bereicherung für den Markt. Dies sprach sich wohl auch bei der Industrie herum, insbesondere Audi/VW und BMW verkauften in speziellen Sonderpackungen Schabak-Modelle über ihre Händler im Teile-/Zubehörprogramm.

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Audi-spezifische Packung eines Schabak- Audi 80 Avant. Auf den Hersteller des Modells weist nur ein Aufdruck auf dem Unterboden der Box hin.

1990 gründete der Aachener Paul-Günter Lang seine Firma “Pauls Model Art”, die in der Folgezeit in China hergestellte Modelle in vorher nicht gekannter Präzision unter der Bezeichnung “Minichamps” auf den Markt brachte. Diese Minichamps-Modelle eroberten in der Folgezeit nicht nur Regalplätze im Modellfachhandel, sondern auch Aufträge der Industrie zur Herstellung der Miniaturen für das Teileprogramm. Ohne Industrieaufträge ist es für Modellhersteller aber zunehmend schwierig, die hohen Entwicklungs- und Formenkosten für ein Druckgußmodell zu schultern. Schabak stellte seine Modelle immer in Deutschland her, alle Fahrzeuge hatten zu öffnende Türen und Hauben und waren zu höheren Lohnkosten aufwendiger zu produzieren als die Konkurrenzprodukte aus Fernost. Um die Jahrtausendwende stellte Schabak daher die Produktion von Modellautos ein und konzentrierte sich auf die Nachbildung von Verkehrsflugzeugmodellen.

Es half jedoch nicht dauerhaft: 2006 wurde die Firma liquidiert, die Marke “Schabak” übernommen - ausgerechnet von Schuco, inzwischen Teil der Samba-Dickie-Group. So schloß sich der Kreis. Schuco nutzte den Markennamen Schabak dann bis einschließlich 2013 noch für seine “Aviation”-Serie, ein Sortiment von Verkehrsflugzeug-Nachbildungen im Maßstab 1:600 aus Zinkdruckguß. Ab 2014 wurde die Aviation-Serie auch unter dem Markennamen Schuco vermarktet. Die Bezeichnung “Schabak” für Auto- und Flugzeugminiaturen war somit Geschichte.  

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Schabak-Modelle im Maßstab 1:43: Audi 80, Ford Sierra und im Vordergrund ein 7er-BMW mit den bei fast allen Modellen zu öffnenden Teilen.

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